Hochsttempo an den Tasten

Добавлено 07 марта 2017 alexman81ru

Александр Яковлев (фортепиано)

BAD PYRMONT. Sitzt da ein braver junger Mann und spielt Klavier oder ist es gar ein Dämon an den Tasten? In dieser irrsinnigen Bandbreite wurde das Publikum am Samstagnachmittag im kleinen Saal des Konzerthauses hin und her geworfen, atemlos begeistert, doch nicht atemlos genug, um nicht vehement zu applaudieren und eine großartige künstlerische Gesamtleistung zu würdigen.

Alexander Yakovlev hatte allerdings auch eine Performance abgeliefert, die das Prädikat «allerhöchstes Niveau» durchaus verdiente. Immerhin ist der sowohl während des Konzertes als auch im persönlichen Gespräch leise, zugewandte und freundliche Pianist ein mehr als fünfzigfacher Preisträger auch großer Wettbewerbe.

Bad Pyrmont konnte sich glücklich schätzen, eine solche Koryphäe im Programm zu haben, und der in Rostow am Don geborene Alexander Yakovlev enttäuschte die hohen Erwartungen nicht. Sein Einstieg in den Nachmittag waren Franz Schuberts «12 Deutsche Ländler D 790», die von Pianisten gerne gespielt werden, doch nur äußerst selten eine derartige sehnsuchtvolle Tiefe und mächtige Brillanz erreichen wie bei Yakovlev.

Im 19. Jahrhundert als Schöpfer des Kunstliedes bewundert, ließ Schubert den kleineren lyrischen Formen wie Liedern und Klavierstücken Raum, überwand sogar seine Agonie nach einem gesundheitlichen Kollaps und komponierte die Ländler im Jahre 1823, als ob nichts gewesen wäre.

Gleich zwölf davon, und Yakovlev spielte sie viel differenzierter, modulierter und doch prägnanter, als zahlreiche seiner Pianistenkollegen. Anrührend, zart, fast in den Blüthner-Flügel hinein kriechend — so ergriffen so war das Publikum, dass ein deutliches Aufatmen hindurch ging.

Sehr kompliziert, unterschiedlich im Aufbau dagegen «Carnaval, op. 9» von Robert Schumann. Hier reihten sich kurze Charakterstücke in einem Klavierzyklus aneinander, die teils einen brillanten Schwierigkeitsgrad aufwiesen, den Yakovlev mühelos meisterte, teils aber auch witzige Bezüge enthielten, die sich erst bei aufmerksamem Studium ihrer Folge entschlüsselten.

Mächtig, fordernd und ungeheuer präsent die «Préambule», gespielt in rasender Geschwindigkeit. Zuhörer stellten im Anschluss die Frage, ob der Komponist das wirklich so schnell gemeint habe, doch ein Blick auf die Notenblätter zeigte, er hatte. Hier wurden die Figuren des venezianischen Karnevals hörbar, wie etwa der Pierrot und der Harlekin (III. Arlequin), Pantalon und Columbine, hier entführte Alexander Yakovlev in den «Valse noble» oder nahm Anleihen bei Chopin. Furios, intensiv intim, zart und blumig interpretierte er die verschiedenen Stücke, technisch perfekt und trotzdem mit einer Empathie, die komplett auf das Publikum einwirkte. Ein Fingerzeig die Nummer XI., «A.S.C.H.-S.C.H.A. (Lettres dansantes», die Schumann als musikalisches Denkmal seiner kurzzeitigen Verlobten Ernestine von Fricken gewidmet hatte, die aus dem böhmischen Städtchen Asch stammte, dessen Buchstaben Schumann dann in den Miniaturen umsetzte.

Sehr patriotisch, fast arrogant, der «Marche des ‚Davidsbündler‘ contre les Philistins», in dem Schumann seine eigene Mitgliedschaft im Geheimbund der «Davidsbündler» und deren Konkurrenz zu den gleichermaßen geheimen Philistern thematisiert. Und wiederum Hochgeschwindigkeits-Klavier mit höchster Sensibilität und großem Ausdruck waren die «Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24».

Den krönenden Abschluss bildeten schließlich die bekannten und virtuosen «Variationen über ein Thema von Paganini».

Autor

Rudi RudolphReporter

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