Nadezda Pisareva gastiert in Laufen Nadezda Pisareva spielt Beethoven, Bartok, Debussy und Schumann.

Добавлено 11 января 2017 МИХАИЛ АВДЕЕВ

Надежда Писарева (фортепиано)

SULZBURG-LAUFEN. «Aurora!» (Morgenröte) — dieser Titel für ein Konzert könnte nicht besser passen als am Silvesterabend, an dem alles auf das kommende neue Jahr blickt. Im Gutshof Güntert in Laufen war im letzten Konzert des Jahres in der Reihe «Weltklassik am Klavier» die junge Pianistin Nadezda Pisareva zu hören mit einem Programm, das von der subtilen Miniatur bis zum großen symphonischen Wurf reichte, wie Hausherrin Edda Güntert das Publikum zu Beginn eingestimmt hatte.

Seit fünf Jahren ist der Gutshof mit seinem herrlichen Konzertraum in der ausgebauten historischen Scheune Teil der Weltklassik-Reihe, die sich an über 50 Orten inzwischen weltweit zwei Aufgaben verschrieben hat: zum einen der Verbreitung der klassischen Klaviermusik, zum andern der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler. So hatte es sich Bürgermeister Dirk Blens nicht nehmen lassen, zum fünfjährigen Bestehen der Weltklassik-Reihe in Laufen ein Grußwort zu sprechen, in dem er das private Engagement der Familie Güntert würdigte. Die Konzerte seien inzwischen ein fester Bestandteil und eine Aufwertung des Sulzburger Kulturkalenders. Vor allem die Tatsache, dass bis zum Alter von 18 Jahren der Eintritt frei ist, ist für Blens ein schönes Angebot, junge Menschen an die Klassik heranzuführen.

Mit der Beethoven-Sonate Nr. 21, hierzulande als «Waldstein»-Sonate, in Frankreich und Russland als «Aurora» bekannt, eröffnete Pisareva das Programm. Aufhorchen war vom ersten Ton an angesagt. Spitz und fein und ganz ohne Pedal kamen die einleitenden Achtel daher, kein Wummern, kein Hämmern, nur konzentrierte Spannung, die das Umfeld vorbereitete für das opulente Klanggemälde, das Beethoven in dieser Sonate entrollt. Zupackend und energisch im Hauptthema und voller fließender Poesie im Seitenthema zeigte Pisareva, dass sie auch vor härtesten Kontrasten nicht zurückschreckt, später am Abend profilierte sich dieser Ansatz noch weiter, die abrupten Wechsel der Stimmungslagen komprimiert zum Teil in einem einzigen Takt! Die Durchführung zeichnete sie als subtiles, gespenstisches Schattenspiel, bevor dramatische Triolen den ganzen harmonischen Reichtum dieser Passage auffächerten. Jugendlich frisch mit entschlossenem Zugriff dann die Reprise, transparent und nadelspitz, wo andere Pianisten in Klanggewölken baden, dann die kraftvollen Oktavgänge, die in ein geheimnisvolles Diskant-Gewisper münden — ein aufregendes Wechselbad der Gefühle!

Mit einer geradezu diabolischen Freude stürzte sich die junge Pianistin dann auf Bartóks Suite «Im Freien», wo wiederum eine breite Palette von Stimmungen ausgebreitet wurde, mal launig, koboldhaft, das Klavier zum Schlagzeug mutierend, dann wieder exotisch fremd mit Cluster-Klängen, feinen Ganzton-Skalen und Zitaten aus dem melancholisch-herben Liederschatz ferner Völker.

In der finalen «Hetzjagd» mit ihrer intensiven Motorik entfesselt Bartók noch einmal die ganze Wildheit seines Temperaments und fand dabei in der jungen Künstlerin eine kongeniale Botschafterin seiner Musik. Drei Stücke aus dem ersten Buch der «Preludes» von Debussy bezauberten als elegante Ohrenschmeichler, zart, aber nicht blass, auch hier mit größter Sorgfalt die kleinsten Nuancen inszeniert.

«Des pas sur la neige» ging mit seinem piano pianissimo an die Grenzen des Hörbaren, ein kontrollierter Exkurs in die Stille, in der jeder Ton viel Raum zum Atmen erhält. Mit Schumanns Sonate op. 11 in fis-Moll eröffneten sich dem Publikum noch einmal die symphonischen Weiten des Anfangs. Jeder Ton, jeder Griff hatte seinen bestimmten Platz im Fortgang dieses Dramas, die Querbezüge zwischen den Motiven und Tonarten so deutlich herauszustellen, war eine besondere pianistische Leistung. Das Scherzo voller Esprit und Witz, das Finale in kräftigen Farben, wieder mit extremen Kontrasten — hellwach und nicht eine Sekunde gleichgültig entfaltete Pisareva das weitläufige Klanggeschehen dieses Musikstücks, das so leidenschaftlich um eine Renaissance der klassischen Sonatenform ringt. Den ausdauernden begeisterten Beifall belohnte die Künstlerin mit einer charmanten Transkription der Sopran-Arie «Schafe können sicher weiden» aus Bachs «Jagdkantat(BWV 208)

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